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WERKGRUPPEN
ÜBERSICHT:
     
Caminomotive
Gösser Ornat
"hochgeblickt"
Istra 2003-2004
Landschaftsbilder
2006 - 2007
Mensch 2007
Montadamo
Papierarbeiten
Schwanberg
 
verschiedene
Arbeiten ab 1996
   

 

 

 

Technik & Stil

Erdfarben sind seit über fünfzehn Jahren das bestimmende Element in der Malerei Bernhard Münzenmayers. Auf sie stieß der Künstler bei seiner Suche nach einem Medium, das seiner Neigung zu ruhigen, meist streng komponierten Bildern entspricht. Besonders fasziniert ihn, wie sich in diesen Farben Leuchtkraft und Zurückhaltung vereinen lassen. Mit dem Reiz, einen Werkstoff zu verwenden, den er selbst in der Natur vorfindet, verbindet sich die Entdeckung des Reichtums an verwandten und doch unterschiedlichen Tönen schärft sich auch der Blick für den Reichtum an Farben in der Landschaft: Äcker, Wege, Abbrüche und Aufschlüsse sind nicht nur einfach „braun” oder „grau”: Sie bewegen sich zwischen Schwarz, Gelb, Grün und Rot, manchmal bis hin zum Violett – in unzähligen Schattierungen.

Foto: Istrien
Foto: Erde Eichstätten

Dies ist jedoch nur ein Aspekt der Arbeiten Bernhard Münzenmayers. Der zweite, nicht weniger wichtige ist die künstlerische Auseinandersetzung mit den Herkunftsorten der verwendeten Erden. Sie findet einerseits gedanklich im bildlichen und geistigen Erfassen statt: durch Skizzieren, Fotografieren oder einfach im Festhalten des Wesentlichen in der Erinnerung, andererseits konkret: mit dem Sammeln und Verarbeiten der Erde, durch das der Ort real in die Bilder eingeht. Material und Thema ergänzen sich; Landschaft wird mit Landschaft gemalt. Wesentlich ist dabei die Handlung des Sammelns an einem Ort und der so entstehende persönliche Bezug.

Nur in wenigen Arbeiten kommen außer Erden auch noch andere, quasi verwandte Materialien wie Asche oder Steinpigmente zur Verwendung. Die Bildinhalte können sehr unterschiedlicher Art sein: Zum einen sind es Assoziationen zum Charakter einer Landschaft, Eindrücke von zufällig, oft flüchtig Gesehenem oder auch Erinnerungen an Begeg-nungen auf Reisen oder Wanderungen, meist in Form von mehr oder weniger konkreten Motiven. Das Thema der Fortbewegung und des Übergangs kann sich aber auch ganz abstrakt in der formalen Gesamtkonzeption einer Serie niederschlagen, so zum Beispiel in Camino und Galicische Reise.
Arbeiten aus der Serie “Camino”
Arbeiten aus der Serie “Galicische Reise”

Anders ist es bei längeren oder regelmäßigen Aufenthalten an einem Ort. Dann werden real vorgefundene, meist eher unscheinbare Details aus ihrer Umgebung isoliert und in abstrahierter Form in Bilder übertragen, die in ihrer Gesamtheit eine Art „Parallelporträt“ des Ortes ergeben. Dies gilt beispielsweise für die Werkgruppe Schwanberg über ein in der Südweststeiermark gelegenes altes Haus und seine Umgebung.

 
Arbeiten aus der Serie “Schwanberg”
 

Auch geschichtliche oder kunstgeschichtliche Inhalte fließen in das Werk ein: Um Architektur im weiteren Sinn handelt es sich in der von Kirchengewölben ausgehenden Serie hochgeblickt. Die Serie Montadamo, inspiriert von Wandmalereien in einer mittelitalienischen Dorfkirche, mündet in eine Auseinandersetzung mit Ikonographie.

Arbeiten aus der Serie “hochgeblickt”



 
In den Transformationen des Gösser Ornats, eine Arbeit über ein Ensemblemittelalter-licher Textilien streift der Künstler die Be-reiche Bildsymbolik und Heraldik. In erster Linie geht es allerdings um Ornamentik; gerade Letztere bildet einen eigenen Schwerpunkt im Schaffen Bernhard Münzenmayers.

Durch alle Arbeiten des Malers zieht sich als formales Grundthema die Verbindung von Stille und Spannung oder vielmehr: Spannung, die in der Stille entstehen kann. Die Bilder verlangen Zeit und Konzentration; die winzigen, fast unmerk-lichen, vom Künstler jedoch bewusst eingesetzten Störungen scheinbar ausgeglichener Situationen erschließen sich nicht auf den ersten Blick. Dies beginnt schon bei der Anlage der Formate: scheinbare Quadrate, asymmetrische Diptychen und Triptychen; seltener ist der Wechsel in den Bereich des „shaped canvas“.
Gösser Ornat, Dalmatica III 2002
 

Auch die bildinterne Komposition prägt das Spiel mit Symmetrie und Asymmetrie: Bildmotive werden leicht aus der Mitte gerückt oder wandern zum Bildrand, aber dies geht nie so weit, dass eine Komposition tatsächlich „kippt“. Es ist der Moment vor der entstehenden Bewegung, der den Künstler interessiert. Unterstützt wird diese Spannung durch das Nebeneinander exakter und verschwommener Linien und Kanten, homogener und strukturierter Flächen.
Bezüglich des Formenvokabulars lassen sich mehrere Richtungen unterscheiden: zum einen einfache, flächig angelegte Kompositionen aus meist geometrischen Formen zum anderen weitestgehend abstrahierte, zur Zeichenhaftigkeit verdichtete gegenständliche Motive. Bei letzteren bewegen sich die Bilder im Grenzbereich zwischen Figuration und autonomer Form, haben die Motive häufig Vexierbildcharakter in einem Spiel aus Positiv und Negativ und es bleibt dem Betrachter überlassen, beim Vorgang/Versuch des Entzifferns aus dem jeweils eigenen Erfahrungsschatz zu schöpfen.
Ein anderer Werkkomplex beschäftigt sich mit Ornamentik als Ordnungsprinzip, in dem Ruhe und Konzentration nicht durch Reduktion, sondern durch die Organisation einer Vielzahl gleich- oder verschiedenartiger Formen erreicht werden. Hier dienen als Stilmittel Reihung, Wiederholung und Variation, um Ordnungen herzustellen, die dann wiederum mithilfe minimaler Störungen im Rhythmus, beispielsweise Auslassen oder Verändern einzelner Elemente durchbrochen werden.

Sosehr die Konzeption der Arbeiten Bernhard Münzenmayers intellektuell geprägt ist, so viel Raum nehmen zuweilen kaum kontrollierbare Prozesse bei ihrer Ausführung ein. Dies liegt nicht zuletzt an dem nicht immer einfach zu verarbeitenden Material. Trotz seiner langjährigen Erfahrung kann der Künstler nie genau im Voraus wissen, wie sich eine Erde im Arbeitsprozess verhält. So wird das Erreichen der richtigen Dichte oder Transparenz einer Schicht, der gewünschten Homogenität oder Lebendigkeit einer Fläche oft zu einem langwierigen Kampf mit dem Material, den nicht immer der Künstler gewinnt. Aber auch darin sieht der Künstler eine nicht unwillkommene Komponente seiner Arbeit, kommt so doch mit dem Zufall auch eine gewisse Natürlichkeit zu ihrem Recht und jede Erde beeinflusst mit ihren spezifischen Eigenschaften und Verhaltensweisen die Entstehung der Bilder und trägt zu ihrer Lebendigkeit bei.
Bernhard Münzenmayer betrachtet die Materialien, die er in seinen Bildern verwendet, als Farbe, nicht als haptischen, Strukturen bildenden Stoff und vermeidet den schweren, reliefartigen Charakter der Bilder etwa eines Jean Dubuffet, Antoni Tàpies oder Emil Schumacher. Die behutsamen Schichtungen der meisten Bilder sind technisch am ehesten den Lasuren Antonio Calderaras oder Mark Rothkos vergleichbar.

 

"Kappelberg, nach oben" 2007,
aus der Serie Landschaftsbilder

Bernhard Münzenmayer bevorzugt das Arbeiten in Werkgruppen. Für sich erreicht er auf diese Weise eine tiefer gehende Behandlung seines Gegenstandes, dem Betrachter wiederum wird so die Möglichkeit gegeben, sich in eine Thematik einzusehen und die einzelnen Arbeiten aus einem größeren Zusammenhang heraus zu begreifen.
Eingebunden sind die Arbeiten entweder in abgeschlossene Zyklen über einThema wie etwa eine Reise, oder aber in offen angelegte, im Prinzip unendlich erweiterbare Serien, die zum Teil über Jahre hinweg, oft mit langen Unterbrechungen, wachsen. Dabei können sich auch innerhalb einer Serie mit der Zeit die verwendeten Techniken und Stilmittel verändern, entsprechend dem sich wandelnden Blickwinkel des Künstlers.
Überhaupt ist Zeit, auch verstreichende Zeit, ein bestimmender Faktor beim Entstehen der Arbeiten: Zwischen dem Sammeln von Erden, einzelnen Skizzen und Vorstudien und der Realisierung von Bildern können Jahre liegen, in denen das Thema gewissermaßen „reift“: Dies erklärt, warum manche Arbeiten Bernhard Münzenmayers mit zwei Jahreszahlen versehen sind.

Zeit wird in ihrem Verlauf aber auch innerhalb der Werkgruppen und deren oft langsamer, fast evolutionsartiger Entwicklung sichtbar. Und Zeit fordert auch jedes einzelne Bild, wie bereits gesagt, vom Betrachter ein. Hinter einer gewissen farblich bedingten Harmonie verbirgt sich oft eine Sperrigkeit, die verhindert, dass sich die Arbeiten allzu schnell erschließen. Sie verlangen ein verweilendes Schauen, ein Verlangsamen des Tempos. Auch hier zeigt sich eine Übereinstimmung zwischen der Arbeit und dem Material: Erde und Geschwindigkeit miteinander zu assoziieren ist fast unmöglich.
Vielleicht liegt die Qualität der Arbeiten Bernhard Münzenmayers gerade in dieser Langsamkeit, die es dem, auf den sie sich überträgt, ermöglicht, in der Landschaft wieder den Reichtum und die Vielfalt des Stoffs zu entdecken, aus dem die Bilder gemacht sind.

Ute Stipanits